🧾 Analyse · Mai 2026

20 Mio.€ einsparen
ohne Kahlschlag

Die Alternative zum Haushaltssicherungskonzept der Stadt Herzogenrath. Kein Jugendzentrum schließen, keine Vereine streichen – und trotzdem den Haushalt sanieren. Durch Digitalisierung, Open Source und Prozessoptimierung.

38,13 Mio.€
HSK-Konsolidierung 2026–2029
14 %
davon Grundsteuer B
20+ Mio.€
Einsparpotenzial in 10 Jahren
4–6 Jahre
früheres HSK-Ende möglich

Das HSK kürzt nur – aber reformiert nicht

Statt struktureller Reformen setzt das Haushaltssicherungskonzept vor allem auf Kürzungen bei freiwilligen Leistungen. Jugend, Kultur und Vereine tragen die Hauptlast.

🔴 Was das HSK kürzt

MaßnahmeBetrag% am HSK
Sachaufwendungen –5 %8,38 Mio.€22,0 %
Grundsteuer B-Erhöhung5,46 Mio.€14,3 %
Personal Tarif –2 %2,23 Mio.€5,8 %
Freiwillige Leistungen1,02 Mio.€2,7 %
OGS –50 %870.000 €2,3 %
Vereinszuschüsse –50 %345.500 €0,9 %
Personal Beamte –2 %510.000 €1,3 %
⚠️ Kürzungen treffen die Falschen: Jugend, Kultur und Vereine werden zusammengestrichen – während strukturelle Ineffizienzen unangetastet bleiben.

🟢 Was das HSK nicht anfasst

  • IT-Kosten (~2,9 Mio.€/Jahr) – steigen unkontrolliert, keine Open-Source-Prüfung
  • Personalaufbau +48 % VZÄ seit 2015 – nur eingefroren, nicht reduziert
  • Prozessautomatisierung – Kapitel 7.6 existiert, aber ohne konkrete Maßnahmen
  • regio iT Abhängigkeit – Kostensteigerung „nicht begrenzbar" laut Verwaltung
  • Digitalisierung – Alle Quick-Wins „in Prüfung", keine mit konkretem Termin
💡 Die Alternative: Statt Kürzungen bei der Jugend lieber IT-Kosten optimieren, Prozesse automatisieren und Open Source einführen.

IT-Kosten 2026: ~2,9 Mio.€ – und keiner hinterfragt sie

Der Haushaltsplan 2026 weist detaillierte IT-Kosten aus. Auffällig: Starke Steigerungen bei regio iT und Softwarewartung, aber keine Gegenstrategie.

ProduktkontoPostenAnsatz 2026VergleichTrend
529180 regio iT Dienstleistungen 1.758.800 € 2024: 1.368.731 € +390.000 € in 2 Jahren
581180 Interne IT-Umlage 1.136.000 € auf alle Produkte verteilt Umlage
543146 GWG (IT-Hardware) 210.000 € jährlich
525510 Softwarewartung 97.000 € 2024: 12.793 € +660 %
543154 Softwareaufwendungen 20.000 € 2025: 138.000 € (MS-Office-Austausch) Einmaleffekt 2025
542320 Softwareleasing 20.000 € jährlich
GESAMT IT-Kosten ~2.890.000 € steigend
📊 Quelle: Haushaltsplan 2026, Produkt 0111115 (S. 204). Die 581180-Umlage ist eine interne Verrechnung, die auf sämtliche Produkte der Stadt verteilt wird – die wahren IT-Kosten sind noch höher.

Microsoft & Co – bekannte Kosten, offene Fragen

Der Erläuterungsband nennt konkrete IT-Projekte – aber verschweigt die Euro-Beträge. Wie viel zahlt die Stadt wirklich für Windows, Office und Software Assurance?

📝 Was wir wissen (Erläuterungsband S. 203)

  • 2026: Verlängerung SoftwareAssurance Windows Enterprise 2027 (Z. 865)
  • 2029: Erneute Verlängerung Software Assurance Windows Enterprise (Z. 866–867)
  • 2025: Austausch MS-Office, da Version 2016 im Oktober 2025 Support-Ende (Z. 894)
  • Schulungen: für neue Office-Version & Windows-Betriebssysteme (Z. 882)
  • Fachsoftware: Datev, Homematik (S. 396–397)
  • SoftwareAssurance Caseris (Z. 866)

❓ Was wir nicht wissen

  • Keine konkreten Euro-Beträge für Microsoft-Lizenzen in den Dokumenten
  • Wie viele Windows-Enterprise-Lizenzen werden verlängert?
  • Kosten der Office-Migration 2025 – M365-Abo oder Kaufversion?
  • Warum wurde kein Open-Source-Vergleich angestellt?
  • Gesamtkosten der regio iT über alle Produkte hinweg
🔴 Offener Punkt: Der größte IT-Kostenblock – Microsoft-Lizenzen – wird im HSK mit keinem Wort erwähnt. Ein Haushaltssicherungskonzept, das 2,9 Mio.€ IT-Kosten nicht hinterfragt, aber 345.500 € Vereinszuschüsse streicht, hat ein Prioritätenproblem.

Open Source: Die verschlafene Chance

Keine einzige Maßnahme im HSK prüft den Wechsel zu freier Software. Dabei sind die Einsparpotenziale massiv – und dutzende Kommunen machen es bereits vor.

📝

LibreOffice statt Microsoft Office

Keine Lizenzkosten pro Arbeitsplatz, kein Abo-Zwang, voll kompatibel.

~150.000 €/Jahr
geschätzte Einsparung
🐧

Linux statt Windows

Keine CAL-Lizenzen, keine Software Assurance. München, Barcelona und LiMux zeigen: Es geht.

~150.000 €/Jahr
geschätzte Einsparung
☁️

Nextcloud + PostgreSQL

Ablösung proprietärer Cloud- und Datenbank-Lösungen. DSGVO-konform auf eigenen Servern.

~100.000 €/Jahr
geschätzte Einsparung

💰 Open-Source-Sparpotenzial im Detail

MaßnahmeEinsparung/JahrEinsparung in 5 JahrenEinsparung in 10 Jahren
LibreOffice statt MS Office150.000 €750.000 €1.500.000 €
Linux statt Windows150.000 €750.000 €1.500.000 €
Nextcloud + PostgreSQL100.000 €500.000 €1.000.000 €
Summe Open Source 400.000 € 2.000.000 € 4.000.000 €

* Schätzung auf Basis von Vergleichsprojekten (München, Barcelona, Schwäbisch Hall). Konservative Annahme: 500 Arbeitsplätze.

Digitalisierung: 15–25 % Effizienzgewinn sind möglich

Die Stadt hat 609 VZÄ (Vollzeitäquivalente) und einen Personalaufwuchs von +48 % seit 2015. Prozessautomatisierung und DMS könnten 90+ Stellen einsparen – ohne betriebsbedingte Kündigungen.

🏛️ Digitalisierung im HSK – Fehlanzeige

MaßnahmeStatus laut HSKSeite
7.6 Digitalisierung & Prozessopt.Genannt, aber keine konkreten MaßnahmenS. 8
Nr. 66 Telefongebühren„In Prüfung"S. 31
Nr. 67 Druckkonzept„In Prüfung"S. 31
Nr. 68 Interkommunale IT„Prüfung für 2027 geplant"S. 31
Nr. 75 Bürgerterminals„2028/2029 wird geprüft"S. 33
Open SourceKeine Maßnahme

🟢 Was möglich wäre (konservativ)

Prozessautomatisierung (DMS, digitale Akten, Workflows)

15–25 % Effizienzgewinn bei Verwaltungsprozessen. Bei 473 Tarifbeschäftigten × 60.000 € Durchschnittskosten = 28,4 Mio.€ Personalkosten.

15 % Effizienz = 4,26 Mio.€/Jahr · 25 % Effizienz = 7,1 Mio.€/Jahr
Das entspricht 70–118 Stellen, die über natürliche Fluktuation abgebaut werden können.

Quick Wins (Telefonie, Druck, Papierlos)

MaßnahmeEinsparung/Jahr
VoIP-Telefonie statt ISDN/analog40.000 €
Zentrales Druckkonzept (Follow-me)30.000 €
Papierlose Ratsarbeit20.000 €
Digitale Bürgerterminals10.000 €
Summe Quick Wins100.000 €

📈 Einsparpotenzial Digitalisierung – Gesamtübersicht

KategorieJährliche Einsparung5 Jahre10 JahreAnmerkung
Prozessautomatisierung (15 %)4.260.000 €21.300.000 €42.600.000 €über natürliche Fluktuation
regio iT –10 %175.000 €875.000 €1.750.000 €Neuverhandlung / Alternativen
Quick Wins100.000 €500.000 €1.000.000 €Telefonie, Druck, papierlos
Open Source400.000 €2.000.000 €4.000.000 €Office, OS, Cloud
GESAMT konservativ 4.935.000 € 24.675.000 € 49.350.000 €

Die Prozessautomatisierung wird ab Jahr 3 wirksam (Rollout-Phase). Realistischer 10-Jahres-Wert: 20–38 Mio.€.

Die große Vergleichstabelle: HSK vs. Alternative

Jahr für Jahr: Was das HSK einspart – und was mit der Alternative zusätzlich möglich wäre.

Jahr
🔴 HSK-Plan (kumuliert)
🟢 Alternative (kumuliert)
2026
~9,5 Mio.€ (Sachaufw., Personal, Grundsteuer B)
~0,5 Mio.€ (Quick Wins + Open-Source-Start)
2027
~19 Mio.€
~2,1 Mio.€ (Quick Wins + Open Source + regio iT)
2028
~28,6 Mio.€
~8,0 Mio.€ (+ Prozessautomatisierung greift)
2029
38,13 Mio.€ ✅ HSK-Ziel erreicht
~14,5 Mio.€ (Prozessautomatisierung + Open Source voll wirksam)
2030
Ende – HSK läuft aus
~21,0 Mio.€ → HSK-Ziel übererfüllt
2031
~27,5 Mio.€ → struktureller Überschuss
2035
~38+ Mio.€ → Kein HSK mehr nötig
🔵 Kernunterschied: Das HSK spart einmalig und schmerzhaft. Die Alternative spart strukturell und nachhaltig – jedes Jahr mehr, ohne Leistungskürzungen.

Drei Szenarien: Wann endet das HSK?

Abhängig vom Ambitionsniveau der Digitalisierung könnte das HSK deutlich früher auslaufen – oder sich überflüssig machen.

Szenario A · Konservativ
2029

HSK läuft wie geplant aus

Nur Quick Wins + Open Source umgesetzt. ~675.000 €/Jahr zusätzlich. HSK-Dauer unverändert, aber keine Vereins-/Jugendkürzungen.

Szenario B · Realistisch
2027

HSK endet 2 Jahre früher

Open Source + Prozessautomatisierung (15 % Effizienz). ~5 Mio.€/Jahr ab Jahr 3. Kumulierte Einsparung ersetzt HSK-Kürzungen bis 2027.

Szenario C · Ambitioniert
2025

HSK war nie nötig

25 % Effizienzgewinn + Open Source + interkommunale IT-Kooperation. ~7,5 Mio.€/Jahr = struktureller Haushaltsausgleich ganz ohne HSK.

🌟 Fazit: Selbst im konservativsten Szenario (A) bleiben Jugendzentren und Vereinsförderung erhalten. In den Szenarien B und C wird das HSK überflüssig – die Stadt spart mehr mit intelligenten Reformen als mit pauschalen Kürzungen.

10 Forderungen an die Verwaltung

Damit aus dem HSK kein Kahlschlag wird – sondern eine echte Reform.

  1. Open-Source-Prüfung sofort einleiten
    LibreOffice, Linux und Nextcloud als Alternative evaluieren. Ergebnis bis Q4/2026 dem Rat vorlegen. Keine weiteren Microsoft-Verlängerungen ohne Alternativprüfung.
  2. Kürzungen bei freiwilligen Leistungen aussetzen
    OGS, Vereinszuschüsse und Jugendangebote erst antasten, wenn alle strukturellen Reformen ausgeschöpft sind. Sozialverträglichkeit vor Haushaltsarithmetik.
  3. Digitalisierungs-Masterplan mit konkreten Meilensteinen
    Schluss mit „In Prüfung". Jede Digitalisierungs-Maßnahme braucht: Verantwortlichen, Zeitplan, Budget und Erfolgsmessung.
  4. regio iT Verträge offenlegen und neu verhandeln
    Alle Leistungen und Preise transparent machen. Benchmark mit anderen IT-Dienstleistern. Kostendeckel durchsetzen.
  5. Personalaufbau begründen und Effizienzziele setzen
    +48 % VZÄ seit 2015 – für jede neue Stelle prüfen, ob sie durch Automatisierung kompensiert werden kann.
  6. DMS- und E-Akte-Einführung beschleunigen
    Digitale Aktenführung als Pflicht für alle Fachbereiche bis 2028. Papierakten nur noch übergangsweise.
  7. Interkommunale IT-Kooperation prüfen
    Gemeinsame IT-Infrastruktur mit Nachbarkommunen (Baesweiler, Alsdorf, Würselen) – Shared Services reduzieren Kosten.
  8. Bürgerterminal-Pilotprojekt 2026 starten
    Nicht erst 2028/2029 prüfen. Ein Terminal 2026 testen, Bürger-Feedback einholen, dann skalieren.
  9. Transparenzbericht zu IT-Kosten jährlich vorlegen
    Alle Lizenzkosten, regio iT-Leistungen und interne Umlagen in einem öffentlichen Bericht zusammenfassen. Open Data.
  10. HSK-Revision 2027: Alternative einarbeiten
    Das HSK 2027 um die hier genannten strukturellen Einsparungen ergänzen. Ziel: HSK-Dauer um mindestens 2 Jahre verkürzen.

Quellenverzeichnis

Alle Fakten und Zahlen stammen aus den öffentlich zugänglichen Dokumenten der Stadt Herzogenrath.

  • 🏛️ Haushaltssicherungskonzept (HSK) 2026–2029 – Stadt Herzogenrath
    Gesamtkonsolidierung S. 34 · Grundsteuer B S. 13 · Sachaufwendungen S. 13 · Personal S. 15 · Freiwillige Leistungen S. 15 · OGS S. 15 · Vereinszuschüsse S. 17 · Digitalisierung S. 8 · Wiederbesetzung S. 7 · Maßnahmen 66–75 S. 31–33
  • 📘 Haushaltsplan 2026 – Produkt 0111115 – Stadt Herzogenrath
    IT-Kosten S. 204 · regio iT 529180 · Softwarewartung 525510 · GWG 543146 · Interne Umlage 581180
  • 📙 Erläuterungsband zum Haushaltsplan 2026 – Stadt Herzogenrath
    Microsoft/SoftwareAssurance S. 203, Z. 865–867 · MS-Office-Austausch Z. 894 · Schulungen Z. 882 · regio iT Z. 872, 876 · Datev/Homematik S. 396–397
  • 👥 HSK-Personalbewirtschaftungskonzept (PBK) – Stadt Herzogenrath
    VZÄ 2026 S. 59 · Personalentwicklung 2015–2025 S. 59
  • 🌐 Open Source in Kommunen – Vergleichsprojekte
    München (LiMux) · Barcelona · Schwäbisch Hall · Schleswig-Holstein (OZG-Open-Source)

Disclaimer: Die Einsparschätzungen basieren auf öffentlich dokumentierten Vergleichsprojekten und konservativen Annahmen. Die tatsächlichen Einsparungen können abweichen und bedürfen einer detaillierten Prüfung durch die Verwaltung. Die genannten Euro-Beträge für Microsoft-Lizenzen sind Schätzungen, da die Stadt Herzogenrath diese in den öffentlichen Dokumenten nicht beziffert hat.

Stand: Mai 2026 · Erstellt auf Basis aller öffentlich verfügbaren HSK- und Haushaltsdokumente der Stadt Herzogenrath.