📋 BRIEFING

Kinder, Jugend & Familie
Gespräch mit der Kämmerin

Mai 2026 – Gespräch mit Stadtkämmerin Doris Havertz

🎯 Position & Haltung

HSK-Maßnahmen mit Auswirkungen auf Kinder, Jugend & Familie

Alle Beträge = jährliche Einsparung/Zusatzbelastung. Quelle: HSK-Maßnahmenliste, Seiten 13–34.

Nr. Maßnahme Betrag p.a. HSK-Seite Bewertung
10 Reduzierung der Zahlungen an OGS-Träger um 50% ab 2027 290.000 € S. 15 Hoch kritisch – Gefährdet OGS-Qualität massiv
20 Gebührenerhöhung „Offener Ganztag" 50.000–107.000 € S. 17 Hoch kritisch – „Eltern werden stark betroffen sein" (O-Ton Verwaltung). Gefahr, dass Kinder Betreuung nicht bekommen, die sie benötigen.
17 Zuschüsse reduzieren – u.a. 531840 Zuschüsse Jugendförderung 95.600 €* S. 17 Kritisch – Kürzung um 50%. Trifft Jugendförderung, Sportvereine, Musik- und Gesangvereine. *Gesamtsumme, nicht Jugendanteil einzeln.
48 Absage RodaRock – größtes Jugendfestival der Region 13.000 € S. 27 Symbolisch fatal – Fachamt: „keine Empfehlung", „deutschlandweit bekannt", „wichtiges Alleinstellungsmerkmal". 13.000€ Einsparung bei immensem Imageverlust.
22 Absage Natural Acoustic Festival (NAF) 70.000 € S. 17 Kritisch – Fachamt: „wichtiges Alleinstellungsmerkmal", „keine Empfehlung"
70 Kinderspielplätze – Abbau von Flächen und Standorten nicht beziffert S. 31 Kritisch – ca. 10 Spielplätze könnten wegfallen. Keine Empfehlung ohne Spielplatzentwicklungskonzept.
71 Vorlage eines Spielplatzentwicklungskonzepts nicht beziffert S. 31 Chance & Risiko – Könnte Abbau legitimieren. Muss zwingend mit Jugendhilfeausschuss abgestimmt werden.
8 Verzicht auf Instandhaltung Freibad 430.100 €* S. 15 Hoch kritisch – Freibad ist essentiell für Kinder und Jugendliche. *Gesamtsumme für mehrere Objekte.
27 Verpflegung an gebundenen Ganztagsschulen – Zuschuss streichen 18.000 € S. 20 Riskant – Caterer könnten Verträge kündigen, Mensen schließen

Demographische Realität

Die Stadtgesellschaft altert – aber die Last der Konsolidierung trifft die Jungen.

45,8 J. Durchschnittsalter Herzogenrath
30,3% Bevölkerung über 60 Jahre
48% Personal-VZÄ-Anstieg 2015–2024
44 J. Durchschnittsalter Stadt-Belegschaft

Quellen: Durchschnittsalter Stadt & Über-60-Anteil: Statistische Landesdaten NRW (Landesbetrieb IT.NRW) / Durchschnittsalter Belegschaft: HSK, S. 65 (Personalbestandsanalyse) / Anstieg VZÄ: HSK, S. 57.

Was trifft Kinder vs. was trifft Senioren im HSK?

Eine Gegenüberstellung der Sparlast.

🔴 Trifft Kinder & Jugendliche

  • OGS-Träger-Zahlungen: −50% ab 2027 → 290.000 €/Jahr (M. 10)
  • OGS-Elterngebühren steigen (M. 20)
  • Jugendförderung, Sportvereine: −50% Zuschüsse (M. 17)
  • RodaRock (Jugendfestival) abgesagt: 13.000 € (M. 48)
  • NAF (Jugend-Kulturfestival) abgesagt: 70.000 € (M. 22)
  • Freibad: Keine Instandhaltung (M. 8)
  • Spielplätze: bis zu 10 sollen abgebaut werden (M. 70–71)
  • Schulessen-Zuschuss gestrichen (M. 27)
  • Gesamtbelastung Kinder/Jugend: mind. 440.000 €/Jahr + strukturelle Einschnitte

🔵 Trifft Senioren

  • Seniorenfahrt: nur noch alle 3 statt 2 Jahre → 20.200 €/4-Jahre (M. 39)
  • Seniorenbeirat-Zuschuss: Keine neuen Mittel 2026 nötig, weil Vorjahresmittel übrig (M. 53) → 3.800 €
  • Gesamtbelastung Senioren: ca. 5.000–10.000 €/Jahr

⚠️ Das Ungleichgewicht ist eklatant. Kinder und Familien tragen ein Vielfaches der Sparlast – obwohl die demographische Entwicklung ohnehin mehr junge Menschen bräuchte, nicht weniger Angebote für sie.

Offene Fragen an die Kämmerin

Konkrete Fragen für das Gespräch.

  1. Frage 1

    Warum werden Kinder-, Jugend- und Familienangebote im HSK überproportional belastet, während die Einschnitte bei Senioren marginal ausfallen? Gibt es dafür eine fachliche Begründung?

  2. Frage 2

    Das Fachamt warnt bei mehreren Maßnahmen ausdrücklich (RodaRock: „keine Empfehlung", NAF: „wichtiges Alleinstellungsmerkmal", OGS-Gebühren: „Eltern werden stark betroffen sein"). Warum wurden diese Warnungen nicht beachtet?

  3. Frage 3

    Die 50%-Kürzung der OGS-Träger-Zahlungen (290.000 €/Jahr) kommt ab 2027. Welche Qualitätseinbußen im Ganztag werden erwartet? Ist bereits mit Trägerkündigungen zu rechnen?

  4. Frage 4

    Der Wegfall von bis zu 10 Spielplätzen steht im Raum. Wurde der Jugendhilfeausschuss bereits einbezogen? Wann kommt das Spielplatzentwicklungskonzept?

  5. Frage 5

    Die Personalaufstockung von +48% VZÄ seit 2015 betrifft hauptsächlich die Verwaltung. Warum wird der Personalbestand nur um 2%/Jahr reduziert, während bei Kindern sofort 50% gekürzt wird?

  6. Frage 6

    RodaRock kostet die Stadt nur 13.000 € – der Imagewert und die Bedeutung für Jugendliche sind laut Fachamt immens. Ist diese Streichung wirklich alternativlos?

  7. Frage 7

    Freibad-Instandhaltung gestrichen – was bedeutet das konkret? Wann droht die Schließung? Welche Alternativen für Familien und Jugendliche gibt es dann?

  8. Frage 8

    Herzogenrath hat 30,3% über 60-Jährige und ein Durchschnittsalter von 45,8. Glauben Sie, dass Kürzungen bei Kindern und Familien die richtige demographiestrategische Antwort sind?

Forderungen

Was stattdessen passieren muss.

1. Kinder-Familien-Check für alle HSK-Maßnahmen

Jede Sparmaßnahme muss darauf geprüft werden, ob sie Kinder und Familien unverhältnismäßig belastet. Wenn ja: alternativen Vorschlag liefern.

2. OGS-Kürzungen zurücknehmen

Bildung und Betreuung sind keine „freiwilligen Leistungen". Die 50%-Kürzung ist inakzeptabel. Stattdessen: Effizienzgewinne durch Digitalisierung und Open Source anstreben.

3. Kein Spielplatzabbau ohne Konzept

Erst das Spielplatzentwicklungskonzept durch Jugendhilfeausschuss beschließen – dann über Abbau entscheiden. Nicht umgekehrt.

4. RodaRock und NAF erhalten

13.000 € für RodaRock und 70.000 € für NAF sind im Verhältnis zur Gesamtwirkung minimal. Jugendkultur und Image der Stadt sind mehr wert. Prüfung alternativer Finanzierung (Sponsoring, Ticketerhöhung).

5. Personalreduktion beschleunigen

Der Personalanstieg von 48% in 10 Jahren ist die eigentliche Kostentreiberin. Statt bei Kindern zu sparen: Aufgabenkritik, Digitalisierung und natürliche Fluktuation konsequenter nutzen.

6. Transparente Priorisierung

Offene Debatte im Rat: Welche Ausgaben sind wirklich alternativlos? Die pauschale Kürzung freiwilliger Leistungen ohne Differenzierung ist inakzeptabel.