Mai 2026 – Gespräch mit Stadtkämmerin Doris Havertz
Quelle: Haushaltsplan 2026, Teilergebnisplan Produkt 0111115 IT-Service, S. 204–205.
| Sachkonto | Bezeichnung | Ergebnis 2024 | Ansatz 2026 | Veränderung | Quelle (HHP S.) |
|---|---|---|---|---|---|
| 529180 | Dienstleistungen der regio iT | 1.368.731 € | 1.758.800 € | +28,5% | S. 204 |
| 525510 | Softwarewartung und -pflege | 12.793 € | 97.000 € | +658% | S. 204 |
| 542320 | Softwareleasing | 26.134 € | 20.000 € | −23,5% | S. 204 |
| 543154 | Aufwendungen für Software | 71 € | 20.000 € | +28.070% | S. 204 |
| 543156 | Aufwendungen für Hardware | 10.254 € | 3.500 € | −65,9% | S. 204 |
| 543146 | Geringwertige Wirtschaftsgüter (0-800 €) | 53.675 € | 210.000 € | +291% | S. 204 |
| 581180 | I.V. IT- und EDV-Leistungen regio iT (intern) | 1.008.960 €* | 1.136.000 € | +12,6% | S. 205 |
| Teilergebnis Produkt 0111115 (Defizit) | −1.026.944 € | −1.451.000 € | +41,3% | S. 205 | |
⚠️ Hinweis: Der Ansatz 2025 für 543154 (Software) betrug 138.000 € wegen des geplanten MS-Office-Austauschs. Der Ansatz 2026 sinkt auf 20.000 € – die MS-Office-Kosten sind also 2025 bereits angefallen. Die laufenden Lizenzkosten (SoftwareAssurance etc.) stecken in anderen Positionen.
Alle Belege aus dem Erläuterungsband S. 203, Zeilen 864–897.
| Beleg | Wortlaut Erläuterungsband | Erl. S./Zeile | Status |
|---|---|---|---|
| Windows Enterprise | „2026: Verlängerung SoftwareAssurance Windows Enterprise 2027" | S. 203, Z. 865 | Keine Betragsangabe! |
| SoftwareAssurance Caseris | „Verlängerung SoftwareAssurance Caseris & Mittel 2029 Verlängerung Software Assurance Windows Enterprise" | S. 203, Z. 866–867 | Keine Betragsangabe! |
| MS-Office-Austausch | „In 2025 Austausch MS-Office da Support für die Version 2016 in 10/2025 endet" | S. 203, Z. 894 | Im Ansatz 2025 mit 138.000 € veranschlagt |
| Schulungen | „Schulungen für neue Software (z.B. aktuelle Office Version, Windows Betriebssysteme etc.)" | S. 203, Z. 882 | Keine Betragsangabe! |
| Softwareleasing | „542320 Softwareleasing - Software auf Miet-/Leasingbasis" | S. 203, Z. 885 | 20.000 € (Ansatz 2026) |
🔴 Kritische Lücken: Die Beträge für Windows Enterprise SoftwareAssurance-Verlängerung sind nirgendwo einzeln ausgewiesen. Sie sind vermutlich in 525510 (Softwarewartung: +658% auf 97.000 €) oder 529180 (regio iT Dienstleistungen) enthalten – aber nicht transparent aufgeschlüsselt. Auch die Schulungskosten bleiben unbeziffert.
Das Sachkonto 525510 (Softwarewartung und -pflege) taucht im gesamten Haushaltsplan Dutzende Male auf – in Schulen, Verwaltung, Bürgerdiensten. Zusätzlich erscheint 543177 (Infrastruktur MEP Lizenzen konsumtiv) mehrfach pro Schule mit dem expliziten Hinweis: „Zwingend erforderlich zum Weiterbetrieb der schulischen IT-Infrastruktur".
Offener Punkt: Wie hoch sind die gesamten jährlichen Lizenzkosten (Microsoft + andere) über alle Produkte summiert? Diese Zahl müsste die Kämmerei vorlegen können – tut sie aber im HSK nicht.
1.758.800 € für 2026. Was bekommen wir dafür?
Der Posten 529180 Dienstleistungen der regio iT ist mit 1,76 Mio. € der mit Abstand größte IT-Kostenblock. Er wächst von 1,37 Mio. € (2024) auf 1,88 Mio. € (2029) – ein Anstieg von 37% in 5 Jahren.
Laut Erläuterungsband S. 203, Zeile 872 umfasst dies: „Ausbau des Serviceportals, Umsetzung OZG, DMS-System". Zusätzlich werden laut Erl. S. 207–208, Zeile 989 Mittel für „Ausbau Digitalisierung und KI" bereitgestellt.
Offene Fragen zu regio iT:
Das HSK erwähnt Open Source mit keinem einzigen Wort. Das ist ein strategischer Fehler.
Die Stadt München hat vorgemacht, dass LibreOffice im öffentlichen Dienst funktioniert. Der MS-Office-2016-Support läuft 10/2025 aus – das wäre der ideale Zeitpunkt für den Wechsel gewesen. Jetzt wurde stattdessen neu lizenziert.
Schleswig-Holstein stellt komplett auf Linux und Open Source um. Die Verwaltungs-PCs brauchen kein Windows – ein Linux-Desktop (z.B. Ubuntu, Linux Mint) kann alles, was Verwaltungsmitarbeiter brauchen.
Nextcloud bietet Filesharing, Kalender, Videokonferenzen und Kollaboration – alles Open Source, DSGVO-konform, selbst hostbar. Von NRW-Kommunen bereits erfolgreich eingesetzt.
Für Fachverfahren, DMS und kommunale Anwendungen ist PostgreSQL kostenlos und enterprise-tauglich.
Für Projektmanagement und interne Organisation gibt es ausgereifte Open-Source-Alternativen.
E-Mail, Kalender, Kontakte – alles Open Source, von deutschen Behörden bereits im Einsatz.
💡 Konkret: Der Bund fördert Open-Source-Projekte über den Sovereign Tech Fund und das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS). Die Stadt Herzogenrath könnte Fördergelder für eine Open-Source-Migration beantragen. Warum passiert das nicht?
Quellen: HSK S. 7, S. 57–59 (Personalbewirtschaftungskonzept).
💡 Kernfrage: Der Personalanstieg von +48% in 10 Jahren ist die eigentliche strukturelle Kostentreiberin. Das HSK spricht von „Effizienzsteigerung durch Digitalisierung" (S. 8) – aber gleichzeitig steigen die IT-Kosten massiv (+37% regio iT in 5 Jahren) und die Personalstellen erreichen einen Rekord. Wo bleibt die versprochene Effizienz?
Konkrete Fragen zu IT-Strategie, Lizenzkosten und Open Source.
Wie hoch sind die gesamten jährlichen Microsoft-Lizenzkosten (Windows, Office, Server, CALs, SoftwareAssurance) der Stadt – über alle Produkte summiert? Das HSK schlüsselt das nicht auf.
Wurde vor dem MS-Office-Austausch 2025 eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchgeführt, die Open-Source-Alternativen (LibreOffice) einbezogen hat? Wenn ja: mit welchem Ergebnis?
Das HSK nennt „Digitalisierung und Prozessoptimierung" als „wichtigen Baustein zur Effizienzsteigerung" (S. 8), enthält aber 0 Maßnahmen zu Open Source. Warum wird diese offensichtliche Kostensenkungs-Option ignoriert?
Der regio iT-Vertrag kostet 2026 1,76 Mio. € – +37% in 5 Jahren. Welche konkreten, messbaren Leistungen stehen dem gegenüber? Gibt es eine regelmäßige Wirtschaftlichkeitsprüfung?
Die Softwarewartungskosten (525510) steigen von 12.793 € (2024) auf 97.000 € (2026) – eine Steigerung um +658%. Was genau steckt dahinter? Sind das Lizenzverlängerungen?
Der Personalbestand ist von 2015 bis 2024 um +48% VZÄ gestiegen – gleichzeitig will das HSK erst ab 2027 um 2%/Jahr reduzieren. Warum nicht früher und ambitionierter?
Die Maßnahmen 66 (Telefongebühren), 67 (Druckkonzept) und 75 (Kundenterminals) sind alle „In Prüfung" – seit wann? Warum dauert die Prüfung von offensichtlichen Kostensenkungen so lange?
Schleswig-Holstein, München, Barcelona – es gibt genug Vorbilder für Open Source in der Verwaltung. Ist der Kämmerin bewusst, dass der Sovereign Tech Fund des Bundes solche Migrationen fördert?
Konkrete Handlungsempfehlungen für die Verwaltung.
Alle Lizenz-, Wartungs- und Dienstleistungskosten (Microsoft, regio iT, Fachverfahren) über alle Produkte hinweg in einem Bericht aufschlüsseln. Keine versteckten Kosten in Sammelposten.
Bis Q3/2026: Prüfbericht vorlegen, welche proprietäre Software durch Open Source ersetzt werden kann. Fördergelder vom Sovereign Tech Fund beantragen. Ziel: 30% IT-Kostensenkung bis 2030.
Unabhängiges Benchmarking: Was kosten vergleichbare IT-Dienstleistungen am Markt? Welche Leistungen könnten mit eigenem Personal erbracht werden? Wirtschaftlichkeitsvergleich vorlegen.
Statt −2%/Jahr ab 2027: −3%/Jahr ab sofort durch konsequente Aufgabenkritik, Digitalisierung und Wiederbesetzungssperren – außer bei Pflichtaufgaben.
Jeder Digitalisierungs-Euro muss mit konkreten Effizienzzielen hinterlegt werden: Welche Prozesse werden um wieviel schneller? Wie viele VZÄ werden dadurch eingespart?
Mit Nachbarkommunen eine Open-Source-Allianz gründen. Kosten teilen, Know-how bündeln, gemeinsam fördern lassen. Nicht jede Stadt das Rad neu erfinden lassen.